Im März 2024 erreichte uns eine der sehr persönlichen und für viele Freunde des ASB-Wünschewagens vielleicht eher unscheinbaren Wunschanfragen. Die Begegnungen zuhause, im Freundeskreis oder an alten Wirkungsstätten zeigen noch einmal mehr, wie wichtig Abschiednehmen für alle Beteiligten ist.
Günter erwartete uns an diesem Tag bereits ungeduldig in seinem Zimmer. Seine beiden Töchter Jutta und Martina waren ebenfalls vor Ort, um ihn auf seiner Wunschfahrt zu begleiten. Wir Wunscherfüllerinnen informierten uns über unseren Fahrgast beim Pflegepersonal des Stationären Hospiz St. Thomas Dernbach und packten die benötigten Reise-Utensilien ein.
Der Wünschewagen rollte eilig durch die idyllische Landschaft des Westerwaldes. Günter kannte die Straßen und Sträßchen, oft war er hier unterwegs gewesen. Er kannte auch die Unebenheiten der Landschaft und schimpfte hier und da über die rumplige Fahrt. In dem kleinen Ort Brandscheid hielten wir vor einem Wohnhaus mit Garten. Simone und ihre Familie erwarteten uns bereits. Mit vereinten Kräften ging es auf der Trage die abschüssige Hofeinfahrt hinunter. Im Garten hörten wir dann sehr bald das ersehnte Geschnatter. Ducky, Duck, Frieda und Kalimero watschelten über das Grundstück. Die vier Enten waren der Grund unserer Reise. Handaufgezogen von Simone zeigten sie sich sehr zutraulich.
Umringt von Familie und Freunden versank unsere Trage im aufgeweichten Boden des Entenreichs. Dem ‚Entenpapa‘ war das egal, er genoss das turbulente Treiben auf seinem Bauch. Simone setzte immer wieder mal eine der Enten auf die Trage. Bevor es wieder in den Wünschewagen ging, brauchte unsere Trage eine ordentliche Fahrgestellreinigung, damit die Räder sich wieder drehten.
Und weiter ging es auf unserer kleinen Rundreise. Das Grab seiner Frau hatte unser Fahrgast schon länger nicht besuchen können. Auf dem kleinen Friedhof von Sainerholz schoben wir gemeinsam mit den Töchtern die Trage den steilen Weg hinauf.
Ein letzter Besuch am Grab, ein Abschied – womöglich eine neue Verabredung mit seiner geliebten Frau an einem anderen Ort... Mit einem respektvollen Abstand und doch so nah an unseren Fahrgästen, begleiten wir diese Abschiede, diese letzten Blicke zurück.
Unweit vom Friedhof warteten bereits die Feuerwehrkameraden der Feuerwehr Sainerholz. Ein letztes Mal das Feuerwehrauto ansehen. Wir stellten die Trage dicht an die Tür. Wie oft war Günter dort eingestiegen, um anderen zu helfen.
Umringt von den Kameraden wurden Anekdoten erzählt. Martina und Jutta wussten zum Beispiel bisher nichts von den Kochkünsten ihres Vaters. Für jeden hatte Günter ein offenes Ohr, so waren sie es gewohnt von ihm, ihrem Ehrenmitglied. Die Feuerwehr war ihm immer eine Herzensangelegenheit gewesen.
Während der gesamten Wunschfahrt hatten wir immer wieder den Eindruck, Günter sei abwesend, müde und nicht mehr so aufnahmefähig. Aber in den für ihn wichtigen Momenten kam immer wieder ein deutlicher Einspruch von dem Mann auf der Trage. Da war er hellwach und mischte sich ein, zog die Aufmerksamkeit auf sich und gab ein klares Statement ab. Am späten Nachmittag kehrte der Wünschewagen zurück von seiner kleinen Abschiedstour durch den Westerwald. Zurück in seinem Hospizbett drückte unser Fahrgast den Wünschewagen-Bär fest an sich. Es sind Augenblicke wie dieser, in denen wir unser Ehrenamt mehr denn je zu schätzen wissen.
Vielen Dank an unsere Fahrgäste, deren Familie und Freunde für die vertrauensvollen Begegnungen!“
Ein Bericht von Angelika und Manuela, Wunscherfüllerinnen aus Rheinland-Pfalz.