Einmal noch...in den Palmengarten

„Wer mich kennen lernen will, muss meinen Garten kennen, denn mein Garten ist mein Herz.“ - Hermann Fürst Pückler-Muskau

Sonja, Wunscherfüllerin auf ihrer ersten Tour und gleichzeitig Hospizschwester in Bad Kreuznach, erzählt über Herrn Eimermanns Wunschfahrt in den Palmengarten Frankfurt. Sie kennt den Fahrgast aus dem stationären Hospiz und freut sich, dass sie ihn auf dieser Fahrt begleiten durfte:

"Herr Eimermann war an diesem Morgen bereits früh auf und hatte sich schick gekleidet. „Möchtest du noch etwas frühstücken, Sonja, ich habe noch ein halbes Brötchen für dich aufgehoben?“, fragte er mich. „Danke sehr lieb, aber ich habe zu Hause schon etwas gegessen.“

Er war bester Laune, was zwei Tage zuvor ganz anders aussah, denn da ging es ihm gar nicht gut und man hätte beinahe die Fahrt absagen müssen. Um 9 Uhr war der Wünschewagen mit den beiden weiteren Wunscherfüllern Heike und David im Hospiz eingetroffen, man begrüßte sich und packte alles ein – es konnte also losgehen.

Anfangs war Herr Eimermann etwas angespannt. „Ach, vielleicht hätte ich zu Hause im Hospiz bleiben sollen, anstatt so eine Fahrt anzutreten.“ Nachdem ich ihn daran erinnerte, dass wir gerne noch seinen zusätzlichen Wunsch, nach vier Monaten noch einmal sein Haus und vor allem den blühenden Garten zu besuchen, an diesem Nachmittag auch erfüllen möchten, lächelte er verschmitzt.

Trotz etwas Stau kamen wir recht zügig durch. Dank der guten Planung der Koordinatoren konnten wir dem Wünschewagen einen Platz vor dem Haupteingang sichern. Herr Eimermann wollte zuerst einmal nur mit dem Rollator los, der Rollstuhl war nicht so sein Ding.

Unsere Vorfreude wurde leicht getrübt als wir nach dem Bezahlen sahen, dass der Aufzug in die obere Etage defekt war. Schade. Wir überlegten, unseren Fahrgast mit dem Tragestuhl hochzutragen aber dann entschieden wir gemeinsam, erstmal das Außengelände zu erkunden.

In der Galerie fand gerade eine Azaleen-Ausstellung statt. Herr Eimermann konnte uns aufgrund seines früheren Berufes – er war leidenschaftlicher Gärtner – tolle Informationen dazu geben. Leider war die Stimmung immer noch etwas getrübt, was sich aber gab, als wir Andrea vom Palmengarten trafen und Herr Eimermann sie auf die Azaleen ansprach. Wir erzählten ihr, dass wir heute hier sind um seinen Wunsch zu erfüllen und er früher selbst Gärtner war. Andrea sagte uns, sie wolle kurz telefonieren und wäre gleich wieder für uns da.

„Hätten sie Interesse an einer Sonderführung?“ Wir schauten alle vier etwas verdutzt… „Wie meinen Sie das?“ „Kommen Sie mal mit, ich habe gerade mit meiner Kollegin telefoniert.“

Nach ein paar Metern Wegstrecke wurden wir sehr freundlich von Justine empfangen „Hallo, ich habe gehört, Sie sind ein Kollege von mir. Wenn Sie möchten, zeige ich Ihnen hier den Bereich, wo sonst niemand reindarf.“ Anzucht, Veredlung und ganz besondere Pflanzen durften wir sehen. Nach einer Weile flogen uns lateinische Namen von Pflanzen um die Ohren und der Fahrgast fachsimpelte mit der netten Gärtnerin, die begeistert war von den Fachkenntnissen von Herrn Eimermann! Wir gingen durch die Reihen der Gärtnerei und verabschiedeten uns dankbar nach über einer Stunde von Justine.

Da so viel Bewegung bekanntlich Hunger macht, wollten wir einkehren und machten im Café ein kurzes Päuschen. „Was machen wir jetzt?“, fragte der Fahrgast. Er war sehr motiviert und strahlte. Von Justine hatten wir erfahren, dass es in der Grotte auch ein Aquarium gibt. Das wollte er sich unbedingt anschauen – gesagt, getan. Nach fast vier Stunden Gehen und Fahren, waren wir alle vier etwas platt und wollten nun den fast schöneren Teil für den Fahrgast organisieren. Sein Haus noch einmal zu sehen und den Garten, den er früher hegte und pflegte.

Nach einigen Umwegen kamen wir an. Herr Eimermann lotste uns und konnte uns zum Glück Tipps geben, wie wir schneller zum Ziel kommen und klebte schon mit der Nase an der Scheibe des Wünschewagens, um endlich sein Haus zu sehen.  Dieses Erlebnis gab ihm so viel Kraft, dass er – ohne seinen Rollator zu benutzen – stabil im Erdgeschoss des Hauses zu Fuß gehen konnte. Wir staunten nicht schlecht!

Nachdem wir einige Zeit dort verbrachten hatten, fuhren wir wieder zurück ins Hospiz, oder wie Herr Eimermann es so schön sagte, „nach Hause ins Hospiz“. Dort nahmen wir alle zusammen noch ein Abendessen ein um den schönen Tag gemeinsam Revue passieren zu lassen.

März 2019